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Die
Kartoffel
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| Die Kartoffel stammt aus den Hochanden. Da sie eine Bergpflanze ist, verlangt sie gemäßigt-kaltes Klima mit einer sehr hohen Niederschlagsmenge. Beim Boden ist sie nicht besonders wählerisch und nur gegen Schatten empfindlich. Deshalb konnte sie sich in der ganzen Welt akklimatisieren. Auf der nördlichen Halbkugel geht ihr Verbreitungsgebiet über den 70sten Breitengrad hinaus und in den Alpen erreicht sie eine Höhe von 2000 Metern. In warmen Ländern wird sie nur in den Bergen angebaut, jedoch in unterschiedlicher Höhe. |
| Aus praktischen Gründen werden die äußerst zahlreichen Kultursorten (rund 200 allein in Deutschland) in Speise-, Futter- und Stärkekartoffel eingeteilt. Die Speisekartoffel unterscheiden sich in Festigkeit, Farbe des Fleisches und Reifezeit. Die Futterkartoffel enthalten mehr Wasser, während die industriell verwerteten Kartoffel einen höheren Stärkegehalt aufweisen. Frische Kartoffel enthalten ungefähr 78% Wasser. In der Trockensubstanz findet sich im Durchschnitt 66% Stärke, 4% Zucker, 9% Eiweiss 0,5% Fette und Mineralsalze, hauptsächlich Kali und Phosphor. Die Stärkekörner sind ziemlich dick (etwa 0,9 mm) und zeigen sich unter dem Mikroskop rundlich bis birnenförmig mit exzentrischem Nabel und helleren Zonen. |
| Die ganze Pflanze, hauptsächlich die Früchte und Keime, die die Knolle im Keller treibt, enthält Solanin, ein sehr giftiges Glykoalkaloid; die Vergiftungen äußern sich durch Brennen im Hals, Kopfschmerzen, Benommenheit, Fieber, Seh- und Hörstörungen, sowie in Krämpfen. Todesfälle sind nicht bekannt geworden. |
| Abgesehen von Bedeutung als Nahrungs- und Futtermittel ist sie auch in der Industrie wichtig, da man sie zu Kartoffelstärke oder Kartoffelmehl verarbeitet. Sie dient außerdem zur Gewinnung von Alkohol. |
| Die Kartoffelpflanze wird von zahlreichen Krankheiten befallen, z.B. Kartoffelkraut- und Knollenfäule. Die Kartoffelperonospora (Phytophthora infestans) verursacht auf der ganzen Pflanze braune Flecken, wodurch die oberirdischen Teile frühzeitig absterben und die Knollen klein bleiben Noch größere Verheerungen kann der Kartoffelkrebs anrichten, der durch den Urpilz Synchitrium endobioticum hervorgerufen wird und sich bis heute immer mehr ausbreitet. Viren lassen die Blätter schrumpfen, wonach die Pflanzen verkümmern. |
| Von den schädlichen Insekten ist der gefräßige Colorado- oder Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) am gefährlichsten, der an Kartoffelpflanzungen großen Schaden anrichten kann. |
| (Pflanzenschutz / biologische Schädlingsbekämpfung) |
| Weit über 2 Mrd. Doppelzentner werden im Jahr auf der ganzen Welt produziert. In Europa erzeugen die osteuropäischen Länder als Haupterzeuger den größten Anteil. |
| (Arten / Sorten) |
| Die Kartoffel macht Geschichte ... und Geschichten: |
| Das Märchen
von Kolumbus, der die Kartoffel nach Europa brachte Es war einmal ..... |
| ..... Die
Heimat der Kartoffel sind die Hochanden, die sich über mehrere Breitengrade von Bolivien bis Chile erstrecken. Vor der Entdeckung Amerikas war diese Pflanze in Europa unbekannt. |
| Als Pizarro 1526 nach Peru kam, fand er ebenso wie Diego d´Almagro in Chile (1535) ausgedehnte Kartoffelpflanzungen vor. Als Erster beschreibt Cieza de Leon in seiner 1533 erschienenen Chronik "Perus" die Pflanze und ihre wirtschaftliche Bedeutung, ebenso Riten, die mit ihr verbunden waren. |
| Der Kartoffelanbau
muss in diesen Ländern bereits sehr alt gewesen sein; es sind Töpfe
und Keramiken mit Darstellungen von Kartoffeln bekannt, die aus der Zeit
der Inkas und der vorhergegangenen Epochen stammen. Lange Zeit glaubte man, dass - nein nicht Kolumbus, sondern der berühmte Admiral und Pirat Sir Francis Drake, der 1567 als Erster die Kartoffel aus Chile mitbrachte. |
| Kritische Untersuchungen konnten dies nicht bestätigen. Nicht zuletzt deshalb unwahrscheinlich, weil die Kartoffel, die schon damals nicht mehr mit Samen vermehrt wurde, die lange Seereise nicht hätte überstehen können. Gleichwohl wurde dem berühmten Piraten in Offenburg deswegen ein Denkmal erbaut. |
| Ebenso widerlegt ist die Annahme, dass der Mathematiker und Astrologe Gerolamo Cardano, der Erfinder der Kardanischen Aufhängung, die Kartoffel eingeführt hat. |
| Auch Sir
Walther Raleigh, der 1584 Virginia entdeckte kann es nicht gewesen sein.
Denn die erste Kartoffel, die in Virginia gesehen wurde kam geradewegs aus
Irland. Wie ist sei denn nun da hingekommen? |
| Das erste Land Europas in das die Kartoffel kam wird Spanien gewesen sein. Und dabei muss man sicher von mehreren Einfuhrperioden ausgehen nach dem Jahre 1565. Seitdem findet sie in historischen Schriften Erwähnung. Von Spanien nach Italien über Wien in Richtung England und Irland. |
| In Deutschland trat die Kartoffel 1630 in Erscheinung. Zu einer Einfuhr in großem Maßstab gab aber erst Seignoret von Luserna San Giovanni Anlass, der Henri Arnaud die ersten Kartoffeln lieferte. Dieser war Vorsteher einer Waldenser Gemeinde, die vor den Verfolgungen Vittorio Amadeos und Ludwigs XIV nach Württemberg und Baden geflüchtet war. |
| Noch nicht so beachtet, wie es der Knolle zugestanden hätte, verdankt sie es dem französischen Ökonom und Philanthropen Antoine-Augustine Parmentier, der im Siebenjährigen Krieg die Kartoffel in Hannover kennen lernte, und die Kartoffel während der Hungersnot in Frankreich zu verbreiten versuchte. Von wo aus sie Ihren Weg auch weiter in den Norden Europas fand. |
| Kartoffelblüte
im Knopfloch Als Parmentier im Kampf gegen die Hungersnot die Kartoffel zu etablieren versuchte, hatte er zunächst Überzeugungsarbeit zu leisten, denn die Menschen konnten sich nicht vorstellen, dass dieses nicht besonders ansehnliche knollenartige Nachtschattengewächs genießbar war. Kurzerhand überzeugte er zunächst Ludwig XV davon, eine Kartoffelblüte im Knopfloch zu tragen. Da dies allein nicht zum gewünschten Ansehen der Pflanze verhalf, zäunte er kurzerhand seine Anpflanzungen ein und stellte dort Schilder auf, die das Mitnehmen der Pflanze verboten. Diese List half endlich auch den Franzosen die nährreiche Pflanze schmackhaft zu machen. Die Bauern stahlen die Pflanzen, so wie Parmentier es sich erhofft hatte und verbreiteten sie auf diese Weise. Zum Gedächtnis an diese List gibt es heute noch auf der französischen Speisekarte Kartoffelgerichte "a la Parmentier". |
| "Die
Liberalisierung der englischen Handelspolitik ist einer faulen Kartoffel
zu verdanken", behauptete seinerzeit der Herzog von Remington: Als
die Routen zwischen Amerika und Europa nach dem Aufkommen der Dampfschifffahrt
kürzer wurden, konnte die Phytophthora infestans, eben der Pilz der
die Kartoffelfäule verursacht, Europa lebend erreichen. 1843 -1847
breitete er sich, begünstigt durch feuchtes Wetter, mit einer derartigen
Geschwindigkeit auf den riesigen Kartoffelfeldern Irlands aus und richtete
großen Schaden an. Durch die Kartoffelfäule werden nämlich
nicht nur die Blätter zum Absterben gebracht, wodurch das Wachstum
zum Stillstand kommt, sondern auch die Knollen selbst werden befallen. Die
Kartoffeln faulen in kürzester Zeit, sowohl auf freiem Feld als auch
bei der Lagerung. Die Blattfäule löste damals in Frankreich und Irland wirtschaftliche Katastrophen aus, wie wir sie uns heute kaum noch vorstellen können. Ein großer Teil der irischen Bevölkerung, 250.000 Menschen, verhungerten, weil der Pilz das Hauptnahrungsmittel, die Kartoffel vernichtet hatte. Als Folge dieser Hungersnot setzte eine Massenflucht nach den USA ein. Über eine Million Iren emigrierten in die Vereinigten Staaten. Das englische Empire wurde durch die Hungerkatastrophe gezwungen, seine Handelspolitik zu revidieren die Handelsgesetze zu lockern. |
| Namenskunde Cieza de Leon nannte die Kartoffel papa, indem er einen Ausdruck der Inkasprache in das Spanische übernahm. Begriffe wie acsu oder choque sind ebenfalls aus Amerika überliefert. Papas peruanorum, wie Cusius die Kartoffel nannte stammt wohl das italienische und spanische patata und das englische potato. Das deutsche Wort Kartoffel entstammt dem Begriff tartifole, einem noch heute gebräuchlichen Wort der piemontesischen Dialekte, das auf die Ähnlichkeit der Trüffeln hindeuten soll. In Süddeutschland werden sie vor allem in ländlichen Gebieten mit dem Begriff "Ärpfel" bezeichnet, was ein schnell ausgesprochenes Erdäpfel heißt. Auch die Franzosen nennen die Knolle Apfel des Bodens pomme de terre. |